Neugeborenen Hörscreening


Ärztin mit Schild - Hörtest bei Neugeborenen

Hörscreening bei Neugeborenen und Kleinkindern mit 2 verschiedenen Messverfahren
Zum Ausschluß frühkindlicher Hörstörungen werden in meiner Praxis zwei Messverfahren durchgeführt:
Zum Einen die Bestimmung Otoakustischer Emissionen (kurz: OAE) und zum Anderen die automatische Hirnstammaudiometrie (AABR) mit dem BERAphon.

1. OAE (Oto-Akustische Emissionen)
Otoakustische Emissionen sind bei 97% der Menschen bis zu einem Hörverlust von 35dB nachweisbar. Die Messung der OAE wird gerne als primärer Screeningtest bzw. Grunduntersuchung bei Neugeborenen zum Ausschluß einer Schwerhörigkeit eingesetzt, da sie einfach durchführbar ist und nur wenige Minuten dauert.
Mittels eines leichten Klickgeräusches werden die äußeren Haarzellen im Innenohr aktiviert, sodaß diese einerseits den empfangenen Ton zum Gehirn weitermelden und andererseits durch aktive Kontraktion wie eine Art Echo akustische Energie erzeugen und ins Ohr zurückschicken. An der hochsensiblen OAE-Sonde ist ein Mikrofon angebracht, welches das Vorhandensein und die Stärke dieser in den Gehörgang zurückgesandten Signale misst. So können schwache oder fehlende Signale auf eine Schwerhörigkeit hindeuten.
Ein auffälliges Testergebnis bedeutet allerdings noch lange nicht, daß eine angeborene Schwerhörigkeit vorliegt. Vor allem bei der Messung der OAE kommt es häufig zu Fehlalarmen.
Klarheit verschafft dann häufig die AABR, welche den Vorteil hat, daß sie zusätzlich zu der Funktionsfähigkeit der Sinneszellen im Innenohr auch die Aktivität des Hörnerven und zentraler Hörbahnabschnitte mit höchster Sensitivität und Spezifität erfasst.

 

2. AABR (Automaticly Auditory Brainstem Response = Automische Hirnstammaudiometrie)
Ein sogg. BERAphon® wird – ähnlich einem Telefonhörer – leicht über das Ohr des Kindes gehalten, sodaß die mit Gel versehenen Elektroden die Haut berühren und das Ohr akustisch abgeschirmt ist.

Eine AABR-Messung ist bereits ab dem 1. Lebenstag mit höherer Aussagefähigkeit durchführbar als eine OAE, da weniger falsch positive Befunde entstehen. Laut G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuß der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen, www.g-ba.de) ist eine AABR daher z.B. bei Frühentlassungen (vor dem 3. Lebenstag) als primäre Hörscreening-Diagnostik zu empfehlen:

  • Kurze Testzeiten
  • Geringere Auffälligkeitsraten als bei der OAE
  • Messung auch bei lauterer Umgebung möglich
  • Durchführbarkeit vom Neugeborenenalter bis in etwa zur Einschulung
  • Ergänzende Hörschwellenbestimmung von 0 – 70 dB sofort möglich

Die Behandlung schwerhöriger Babys sollte so früh wie irgend möglich beginnen.
Mittels AABR können angeborene kindliche Hörstörungen sicher erfasst, frühzeitig therapiert und die Kinder gezielt gefördert werden. Dann haben die Kinder eine Chance, sich normal mit ihren Altersgenossen zu entwickeln.

 

AABR-Baby OAE-Baby